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29.05.14  Momentaufnahmen eines Flughafenläufers

Seit nunmehr 51 Jahren veranstaltet der LSV Kloten am Auffahrtsdonnerstag den Flughafenlauf, ein 17-km-Rundkurs um den Flughafen Zürich. Flach, breit und teilweise asphaltiert – also genau die Art Strecke, wie ich sie mag. Aus diesem Grund wollte ich auch schon seit längerer Zeit in Kloten starten, hatte aber aus verschiedenen Gründen nie die Gelegenheit dazu. Dieses Jahr hat es geklappt und so viel vorneweg: Es hat sich gelohnt!

10 Uhr

Das Start- und Zielgelände beim Schulhaus Hinterwiden füllt sich und es kommen immer mehr Läuferinnen und Läufer an, während die Jugend schon auf der Laufstrecke unterwegs ist. Ich nutze die Schulwiese fürs Warm-up, denn da kann ich auch bestens mein Isogetränk und die Koffein-Shot-Ampulle deponieren, die ich dann kurz vor dem Start probieren werde. Ein Kickstarter sozusagen. Die ersten Schritte sind angenehm, das Laufgefühl scheint nach dem zweiten Kaffee auch langsam zu kommen und ich sehe dem Start zuversichtlich entgegen. Bei diesem Lauf geht es mir vor allem um zwei Dinge. Zum einen soll er ein Formtest für die 10 Meilen Laufen sein, die als Saisonhighlight schon bald vor der Tür stehen. Zum anderen ist es der erste Wettkampf seit dem Debakel in Aarau und es wird sich zeigen, ob ich wieder frisch und munter durchziehen und Aarau abhaken kann. Da es sich beim Flughafenlauf weder um einen persönlichen Klassiker noch um eine klassische Distanz handelt, werde ich unterwegs Zeit haben, mich auf die unterschiedlichsten Dinge zu achten, sei es den Laufstil oder die über mich hinwegdonnernden Flugzeuge. Deshalb soll dieser Bericht auch keine detaillierte Laufanalyse, sondern vielmehr eine Sammlung einzelner Momentaufnahmen werden. Los geht’s!

10:28

Ich stehe am Start bereit und will endlich loslaufen. Das Wetter ist perfekt und auf mich warten 17 Kilometer Laufvergnügen, untermalt durch zahlreiche Flieger und der netten Geräuschkulisse, die sie uns bieten werden. Vor mir trippelt eine reifere, kleinere Dame im Dress des LC Uster auf und ab. Läuft nicht auch Martina Strähl für den LC Uster? Zu Hause beim Recherchieren sollte ich dann eines Besseren belehrt werden. Strähl läuft für den LV Langenthal. Für den LC Uster läuft kein Geringerer als Abraham Tadesse, der beim EM-Marathon im August hoffentlich im Schweizer Dress starten darf.

10:32

Der Start ist erfolgt und ich bin nach einem ersten Teilstück bergab unten bei der Flughafenwerft angekommen. Am linken Fussballen scheint sich eine Blase zu bilden. Egal, das gehört zum Laufen dazu. Das Tempo ist ganz schön schnell, was mir ein Blick auf die Uhr bei KM 1 bestätigt: 3:49! Aber es ging ja auf dem ersten Kilometer auch mehrheitlich bergab.

KM 4

Ich bin immer noch verdächtig schnell unterwegs, im Moment mit einem Schnitt von 4:13 pro km. Wenn das mal gut geht … Notfalls verlangsame ich dann halt im späteren Rennverlauf. Aber genug rumgehirnt. Die Strecke bietet für alle Sinne etwas. Da wären die imposanten Flieger, die dicht über meinen Kopf dröhnen und lustige Schatten auf den Weg werfen. Da vorne kommt der Zuschauerzaun, wo wir früher mit den Kindern hingefahren sind, um Flugzeuge zu beobachten. Damals waren sie noch viel zu kleine. Vielleicht sollten wir mal wieder hingehen? Aber geht das ohne Auto? Wo müsste man da durchfahren? Muss ich zu Hause mal prüfen. Ach, wie nett, die Vögel (die richtigen) zwitschern und rufen in Erinnerung, dass heute eigentlich Sonntag ist, ein Frühlingssonntag. Und da passiert es. Ich werde – nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal – überholt. Das alleine ist nicht weiter bemerkenswert, da es zum Wettkampf dazu gehört wie die Dul-X-Wolke in der Garderobe. Nein, ich habe vielmehr an mir beobachtet, wie ich für einen kurzen Moment langsamer geworden bin. Das hatte ich bisher noch nie so wahrgenommen. Wenn ich überholt werde, versuche ich immer bewusst darauf zu achten, das Tempo nicht zu verschärfen und nicht spontan nachzuziehen. Vielleicht war das eben eine Gegenreaktion. Da ein solcher Lauf ein perfektes Versuchsfeld für weitere Beobachtungen ist, achte ich im Folgenden bei jedem Überholvorgang genauer auf meine Reaktion. Und siehe da: Mal will ich schneller werden, mal langsamer. Aber jedes Mal habe ich einen kurzen Moment (wirklich nur einen Bruchteil einer Sekunde) eine leichte Unsicherheit. Erfreulich dabei ist, dass mir so etwas auffällt. Das zeigt, dass ich mein Laufgefühl verfeinert und in diesem Sinne auch weiterentwickelt habe. Ich merke heute besser als noch vor zwei Jahren, wann und wie sich im Körper etwas verändert. Langsam wird mir das Beobachtungsspielchen aber zu langweilig und ich schaue lieber wieder den Fliegern zu.

KM 8

Der erste Verpflegungsposten naht. Anders als sonst will ich heute weder auf ein Getränk verzichten und durchziehen noch vollständig anhalten, sondern möchte mal wieder das Getränkeschnappen „on the run“ üben. Das klappt auch ganz gut und vom vollen Wasserbecher landet durchaus rund ein Viertel im Magen. Der Rest sorgt für eine vorzeitige Reinigung von Laufshirt und Strasse. Kurz darauf werden sogar mit Wasser getränkte Schwämme gereicht. Und genau daran erkennt man, dass ein OK eine Laufveranstaltung so richtig im Griff hat. Wer bei heissen Temperaturen daran denkt, Schwämme zu reichen, hat es begriffen und gehört für mich zu den förderungswürdigen Veranstaltern. Nett, wie ich bin, bedanke ich mich beim Jungen für den Schwamm, der mir dann in breitem Züridütsch nachruft: „Aber immer wieder gern, Lukas!“

KM 9

Nun unterquere ich die Landeanflugschneise und bin versucht, mehr gen Himmel als auf den Boden zu achten. Zum Glück laufe ich auf diesem Abschnitt auf einer breiten Asphaltstrasse, die wenig Stolpergefahr birgt. Der Schwamm in meiner rechten Hand – so sehr er mich auf dem letzten Kilometer immer wieder erfrischt hat – wird langsam schwer und führt zu einem unrunden Laufstil. Dabei ist er doch gar nicht so gross und viel Wasser ist auch nicht mehr drin. Mit einem Grinsen werfe ich ihn weg – die Befindlichkeiten eines Läufers im Wettkampf sind offenbar unergründlicher als die so manch einer Schwangeren …

KM 12

Die zweite Versorgungsstation naht. Höchste Zeit, meinen Gel-Beutel aus der Hose zu kramen und zu versuchen, den Inhalt einigermassen zielgenau im Mund verschwinden zu lassen. Das klappt ganz gut und der Gel, den mir Isostar netterweise vor einiger Zeit gratis zugeschickt hat, erweist sich als lecker, flüssig in der Konsistenz und gut verträglich. Der könnte also auch bei weiteren Läufen in Frage kommen.

KM 15

Letzte Getränkestation, letzter Schwamm. Von nun an heisst es, die zwei Kilometer noch durchzuhalten. Die Kilometerzeiten haben sich grösstenteils bei ca. 4:22 eingependelt. Dass das auch so kurz vor dem Ziel noch der Fall ist, lässt mich schon mal den Schluss ziehen, dass die Form stimmt und ich auch für den schnellen Start nicht werde büssen müssen. Der letzte Kilometer wird zwar eine Steigung enthalten, was aber dank Lausanne-Erfahrung kein Problem sein dürfte.

KM 16

Von hinten höre ich ein Schnaufen und Schritte, dann überholt mich die reifere LC-Uster-Dame, die ich nach rund drei Kilometern ebenfalls überholt habe. Noch immer im selben gleichmässigen Schritt wie beim Start zieht sie mühelos an mir vorbei und kann den Vorsprung bis ins Ziel halten. In diesem Sport ist Erfahrung eben unbezahlbar und so können die älteren Semester uns Jungs von der M30 immer mal wieder zeigen, wo Bartli den Most holt.

13:10

Frisch geduscht und nach einer Sportmassage, die meine Beine für den Gempenlauf vom nächsten Mittwoch fitgemacht hat, warte ich beim Grill auf mein Mittagessen. Die vor dem Start gestellten Fragen kann ich mit der heutigen Zielzeit von 1:14.20,4 inzwischen ganz klar beantworten: Die Form stimmt wie noch nie zuvor. Mit Bernhard Heuslers Worten könnte man sagen, dass ich „im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten“ einen Superlauf hingelegt habe. Die 5 km lief ich in 21 Minuten und die 10 km in 43 Minuten (gleich schnell wie in Payerne, damals war aber nach zehn Schluss). Die 10 Meilen durchlief ich bei 1:12, was einer inoffiziellen neuen Bestzeit gleichkommt. Auf flacher Strecke dürfte die Marke von 1:10 über 10 Meilen irgendwann einmal zu knacken sein. Am 21. Juni in Laufen kann ich es allerdings vergessen. Da bin ich froh, erneut mit 1:14 ins Ziel zu kommen. Die Antwort auf die Frage nach dem ersten Wettkampf nach der Kriechtortur in Aarau fällt auch deutlich aus. Wenn es nicht so dermassen überheblich wäre, würde ich jetzt passenderweise „Rise like a Phoenix“ abspielen. So aber kommt die Wurst nicht aus dem Lautsprecher, sondern vom Grill.

Fazit: Den Flughafenlauf Kloten kann ich bestens empfehlen, denn er überzeugt voll und ganz. Angefangen bei der Organisation im Start- und Zielbereich über die klar signalisierte und abwechslungsreiche Streckenführung bis zur Gelegenheit für eine Sportmassage nach der Zielankunft stimmt bei diesem Lauf alles. Wer Lust auf mehr hat: Am 14. Mai 2015 folgt die 52. Ausgabe.