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04.01.15  Zum ersten Mal in den Top 10

Das neue Jahr ist erst vier Tage alt und schon ist der erste Lauf der Saison 2015 Geschichte. Der erste „ernste“ Wettkampf findet zwar erst in knapp zwei Monaten in Payerne statt. Bereits heute nahm ich aber im Rahmen des Intersport Laufcups am Dreikönigslauf in Blauen teil. Blauen ist quasi die wunderschön an der gleichnamigen Jurakette gelegene Sonnenterrasse vor unserer Haustür. Dabei kam es „auf dem Berg“ gleich zu mehreren Premieren.

Zuerst einmal handelte es sich um den ersten Lauf in der neuen Saison. Dann war es aber auch der erste Lauf mit der LSG Laufen. Offiziell habe ich die Mitgliedschaft zwar erst für die Generalversammlung im Februar beantragt. Da ich aber schon seit einigen Monaten mit der LSG trainiere, betrachte ich den Jahresbeginn als Datum des Vereinswechsels. Die LSG Laufen ist gleichzeitig auch der Hauptorganisator des Laufcups und so gab es in Blauen ein fröhliches Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.

Die dritte Premiere zeichnete sich erst im Rennverlauf selber ab. Aber schön der Reihe nach: Nach einer beschaulichen Anreise per Postauto von mehr als einer halben Stunde (Blauen liegt von der Luftlinie her nur 2 km von meinem Zuhause entfernt …) trafen Mika und ich kurz nach halb neun auf dem Start- und Zielgelände beim Schützenhaus ein. Nach einem vergnügten Plauderstündchen mit allerlei Neujahrswünschen schickte uns der Starter um zehn Uhr auf den 8.2 km langen und leicht kupierten Rundkurs mit einer Höhendifferenz von 200 m.

Der Grossteil dieser zweihundert Höhenmeter war gleich zu Beginn auf den ersten beiden Kilometern zu bewältigen. Schon bald sortierte sich das vorderste Dutzend Läufer und trabte schnaufend bergauf. Nach gut einem Kilometer zählte ich mal nach vorne durch und stellte erstaunt fest, dass ich aktuell auf Platz 9 lief. Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass es heute vielleicht sogar mit dem ersten Top-10-Platz klappen könnte. Diesen Gedanken liess ich aber nicht allzu sehr aufblühen, da ich hinter mir bedrohlich nahe das Schnauben und Trampeln der Läufer hinter mir hörte. So musste ich mich denn auch kurze Zeit später um zwei Plätze nach hinten durchreichen lassen und lief neu auf Platz 11. Nun galt es, den Abstand zur Gruppe vor mir nicht zu stark anwachsen zu lassen, damit ich vielleicht bergab den einen oder anderen wieder überholen konnte.

Da fiel mir auf, dass ich mich zum ersten Mal überhaupt in einem Rennen befand, bei dem ich in erster Linie um die Platzierung lief. Eine Vergleichszeit hatte ich über diese Strecke nicht und so galt mein Interesse einzig und alleine dem Erreichen eines Platzes unter den ersten zehn Finishern. Nachdem der Scheitelpunkt der Strecke erreicht war, konnte ich bergab Boden gut machen und mich zeitweise wieder auf den neunten Platz nach vorne kämpfen. Später lag ich gar auf Platz 7, bevor mir der letzte kleine Anstieg nach gut 6 km den Schnauf zu rauben drohte. Ich verlor wieder einen Platz und bog letztlich als Achter auf die lange Zielgerade ein.

Und dort folgte dann auch der einzige Wermutstropfen des heutigen Rennens. Ein taktischer Fehler, für den ich umgehend mein Lehrgeld bezahlen musste. Der Läufer, den ich zwischendurch mal kurz überholen konnte und der mich später wieder auf den achten Platz verdrängt hatte, lief nur wenige Meter vor mir und ich konnte ziemlich leicht zu ihm aufschliessen. Statt diese Position zu halten und möglichst lange hinter ihm zu laufen, entschied ich mich für den Angriff, überholte und zog davon. Doch auf den letzten 200 Metern folgte der Klassiker aller Quittungen. Mir ging endgültig der Schnauf aus und ich musste mir eingestehen, dass ich zu früh angegriffen hatte. Ich schaute kurz zurück und gab meinem Verfolger, der nun direkt an meinen Fersen klebte, zu verstehen, dass ich nicht durchziehen konnte und er ruhig überholen könne. Dies tat er dann auch postwendend und brachte seinen 7. Rang souverän ins Ziel. Für mich blieb immer noch Rang 8, mit dem ich mehr als zufrieden bin. Die Strecke war ziemlich anspruchsvoll und das Teilnehmerfeld machte auch einen starken Eindruck. Da bin ich über meinen ersten Top-10-Platz sehr glücklich und kann der noch jungen Saison mit Freude und Selbstvertrauen entgegenblicken.

Am Ende kann man aus solchen Laufteilnahmen immer wieder wertvolle Rückschlüsse ziehen. Neben dem verpatzten Schlussangriff, den ich mir sicher zu Herzen nehmen werde, gab es auch einige positive Erkenntnisse. So fiel mir die Tempovariation leichter als auch schon und ich musste nach einem langen Anstieg nicht zuerst das Tempo reduzieren und mich erholen, sondern konnte die Pace den Läufern vor mir anpassen und beim nächsten Anstieg wieder etwas beschleunigen. Das war vor einem Jahr noch nicht möglich und erlaubt mir nun, wesentlich taktischer zu laufen und zu einem gewissen Grad auch haushälterisch mit meinen Kräften umzugehen. Der zweite Punkt, den ich mit Genugtuung festgestellt habe, betrifft das Bergablaufen. Hatte ich vor kurzem noch grosse Hemmungen, bergab schnell zu laufen, weil ich Angst hatte, zu stolpern und unglücklich zu stürzen, so war das heute überhaupt kein Problem. Ich wusste, dass die anderen dicht hinter mir waren und ich es mir nicht erlauben konnte, mit angezogener Handbremse zu laufen. So musste ich mich halt noch mehr auf die Strecke konzentrieren und gut beobachten, wo der Läufer vor mir hintrat und ob er dabei rutschte oder nicht. Das gelang gut und wirkte sich auch positiv auf das Renntempo aus. Einer der Kilometer, der vor allem bergab führte, schlug gar mit einer Zeit von 3:24 zu Buche.

Nun gilt es, die Festtagspfunde so schnell wie möglich abzutrainieren, die Kräftigungsübungen wieder konsequenter durchzuziehen und allgemein die Trainingsumfänge und vor allem die Trainingsgeschwindigkeiten wieder zu steigern. Dann dürfte es am 1. März in Payerne zum nächsten schönen Wettkampferlebnis kommen.

Foto: Karin Studer, Breitenbach