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28.06.15  Ein Frühlingskonzert in vier Sätzen

Die erste Hälfte der Saison 2015 ist buchstäblich gelaufen – und wie! Man könnte sagen, sie war eine Art Frühlingskonzert in vier Sätzen. Allerdings hielt sie sich nicht so ganz an das gängige Schema einer klassischen Sinfonie, denn diese hätte in der Mitte einen Adagio- oder zumindest einen Andante-Satz gehabt – also einen etwas langsameren Mittelteil. Meine bisherige Laufsaison hingegen ist viel mehr als Rockkonzert zu betrachten. Ein gelungenes Rockkonzert wird durch einen Kracher eröffnet, enthält in der Mitte mindestens ein Highlight und endet in aller Regel mit einem Klassiker. Dieses Schema lässt schon eher einen Vergleich mit meinen Frühjahrsläufen 2015 zu.

Eröffnet wurde die aktuelle Laufsaison schon sehr früh im neuen Jahr. Bereits am 4. Januar lief ich den Dreikönigslauf Blauen im Rahmen des Intersport Laufcup 2015. Wie bei einem guten Rockkonzert erwies sich der Lauf als Kracher und ich konnte mich zum ersten Mal überhaupt in den Top 10 einreihen. Bald schon folgte am 1. März der erste Versuch, die 10-km-Zeit unter 40 Minuten zu drücken. Daran scheiterte ich allerdings knapp mit 40.01,9. Noch am selben Abend war klar, dass die Revanche sofort zu folgen hatte und drei Wochen später gelang es mir an den Schweizer Meisterschaften über 10 km Strasse tatsächlich, den Zehner in 39.40,9 zu laufen – für meine Verhältnisse ein Meilenstein und definitiv ein erstes Saisonhighlight.

Das Highlight im Sinne eines herausragenden Songs, der ein ganzes Rockkonzert zu reissen vermag, erlebte ich Ende April in Warschau. Mit einer Zeit von 3:14.27 erreichte ich mein erklärtes Ziel, den Marathon unter 3h15 zu laufen. Die zweite PB in diesem Jahr.

Nach einem weiteren Cuplauf folgte am 23. Mai der Angriff auf die persönliche Bestzeit im Halbmarathon. Und auch das klappte. Mit 1:28.14,1 lief ich am Sempacherseelauf in Sursee satte achteinhalb Minuten schneller als im letzten Herbst in Sarnen. Ein weiterer Höhepunkt also.

Der vierte Satz in der Sinfonie ist das Finale. Im Rockkonzert ertönt zum Schluss wie gesagt ein Klassiker, auf den man sich schon die ganze Zeit gefreut hat. In diesem Fall trifft beides zu. Der 10 Meilen Laufen ist DER Klassiker schlechthin in meinem Laufkalender und stellt jedes Jahr aufs Neue ein Glanzlicht der ganz besonderen Art dar. Die Strecke zählt meiner Meinung nach zu den attraktivsten und vielfältigsten, die man in diesem Distanzbereich in der Schweiz laufen kann und gleichzeitig ist der 10 Meilen Laufen jedes Jahr eines der kräftezehrendsten Rennen für mich. Schon lange wollte ich die 16.095 km unter 1h10 ins Ziel bringen. Und jedes Mal scheiterte ich deutlich. Letztes Jahr reichte es gerade einmal für eine Zeit von 1:15.18,8 – wortwörtlich Meilen weit von der Wunschzeit entfernt.

In Anbetracht der bisherigen Saison, die praktisch nur nach oben führte, musste es aber dieses Jahr endlich klappen. Schliesslich handelte es sich um meine fünfte Teilnahme am Lauf und um die erste Austragung, bei der ich als OK-Mitglied aktiv an vorderster Front mithelfen durfte. Dass es mein bisher schönster 10 Meilen Laufen werden würde, stand also von vornherein schon fest. Dass es auch der erfolgreichste werden würde, war absehbar – schliesslich war eine Zeit unter der bisherigen PB von 1:14.34,4 aus dem Jahr 2013 Pflicht. Nur, ob es auch für eine Zeit unter 1:10 reichen würde, das war alles andere als klar und hing massgeblich von der Tagesform und von den Wetterbedingungen ab (ich laufe nun mal lieber bei kühlen Temperaturen als in der Sommerhitze).

Mein persönlicher Schlachtplan sah vor, dass ich flach und bergab jeweils mindestens 4:15 laufen muss und bergauf zwischen 5:00 und 5:15 pro km. So dürfte es im Endeffekt aufgehen. Die Startphase war schneller als erwartet mit einem ersten Kilometer in 3:34. Auch die folgenden beiden lief ich deutlich unter 4 Minuten. Dann folgte der erste Anstieg in Zwingen, für den ich 5:00 eingeplant hatte. Mit Müh und Not kämpfte ich mich hinauf und erreichte die nächste Kilometermarke in 5:07. Das passte nicht schlecht. Allerdings war ich nach nur vier Kilometern schon wesentlich erschöpfter, als ich mir das erhofft hatte.

Wie jedes Jahr am 10 Meilen Laufen war es auch gestern Abend sommerlich warm. Immerhin sorgte aber ein Lüftchen gepaart mit dem durch einen nassen Schwamm befeuchteten Laufshirt für etwas Abkühlung. Der anstrengendste Teil folgte aber noch. Von Brislach führt die Strecke über einen guten Kilometer bergauf. Im Gegensatz zum ersten Anstieg in Zwingen läuft man diesen Teil an der prallen Sonne. Mit 5:25 pro Kilometer lag ich deutlich unter der geplanten Geschwindigkeit und die Entscheidung, ob es für eine Sub-1:10 reichen würde, musste auf der zweiten Streckenhälfte fallen. Diese führt zum Glück weitgehend auf einem schattigen Waldweg bergab.

Auf den ersten paar hundert Metern wollte sich aber keine Erholung einstellen. Im Gegenteil, ich wurde sogar auf dem flachen oder gar leicht abwärts führenden Weg langsamer. Erfreulicherweise konnte ich mich bald darauf wieder etwas fangen und auf meinem bevorzugten Terrain auf asphaltierter Strasse Richtung Zwingen an Tempo zulegen. Auf den letzten drei Kilometern wartete noch das Teilstück auf mich, mit dem ich mich noch nie richtig anfreunden konnte. Der Weg von Zwingen nach Laufen zurück verläuft zwar ohne nennenswerte Höhenunterschiede und zieht sich weitgehend flach der Bahnlinie entlang. Aber eben, er zieht sich. Und irgendwie kommt es mir jedes Mal vor, als ob der genau gleiche Weg auf dem Hinweg kürzer ist als auf dem Rückweg …

Immerhin liessen die Kilometerzeiten zu diesem Zeitpunkt immer verlässlichere Hochrechnungen in Bezug auf die Zielzeit zu, so dass mir auf dem letzten Kilometer bewusst war, dass ich nur noch das Tempo halten und ins Ziel kommen musste. Dann würde es reichen. Und es reichte tatsächlich: 1:09.5,2 – neue persönliche Bestzeit über 10 Meilen und das abschliessende Finale einer äusserst erfolgreichen ersten Saisonhälfte.

Mit gleich vier neuen persönlichen Bestzeiten über 10 km, 10 Meilen, Halbmarathon und Marathon in der Statistik folgen nun ein paar ruhigere Wochen, bevor Ende Juli die Vorbereitung auf den Baden-Marathon beginnt, der am 20. September in Karlsruhe stattfindet.

Einen Lauf gönne ich mir aber noch: Am nächsten Sonntag nehme ich die 18.8 km von Montreux auf den Rochers-de-Naye unter die Füsse. Dabei überwindet man 1‘600 Höhenmeter und in meinem Fall wohl auch die eine oder andere persönliche Grenze. Die Zeit wird dabei eine eher untergeordnete Rolle spielen. Mein Ziel ist es, einen schönen und erlebnisreichen Lauf zu verbringen und es spätestens auf die letzte Talfahrt auf den Gipfel hinauf zu schaffen – denn den ganzen Weg auch noch runter zu laufen, dazu habe ich nun wirklich keine Lust.