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06.07.15  We all came out to Montreux …

… on the Lake Geneva shoreline. Statt ein Album aufzunehmen, das später zum Klassiker werden und die Rockhymne schlechthin enthalten sollte, versammelte sich die Läufergemeinde aber am 5. Juli zur 34. Course Montreux – Les Rochers-de-Naye, einem Berglauf über 18.8 km und 1600 Höhenmeter. Schon in den vergangenen Jahren liebäugelte ich mit einer Teilnahme an diesem landschaftlich schönen Panoramalauf. Aus terminlichen Gründen kam es aber nie dazu. Dieses Jahr nahm ich den Lauf deshalb bereits bei der Saisonplanung Ende Dezember 2014 fix in den Kalender auf.

Und da stand ich nun an der Startlinie beim Bahnhof Montreux. Meine Startnummer war die 212, was exakt der Anzahl Knochen eines Kaninchens entspricht. Das verkündete mir neulich mein ältester Sohn, der sich solch immanent wichtiges Wissen an der Primarschule aneignet. Ich war umringt von kraxelwütigen Berggeissen, die es kaum erwarten konnten, die Höhenmeter endlich verschlingen zu dürfen. Ich selber hätte auch nichts dagegen gehabt, Richtung La Tour-de-Peilz und weiter nach Lausanne zu laufen. Wäre sicher auch schön gewesen und zudem angenehm flach und asphaltiert.

Aber ich hatte mich schliesslich für einen Berglauf angemeldet und angesichts der bereits sehr warmen Temperatur morgens um 9 Uhr fand ich schnell Gefallen an der Vorstellung, dass die Luft mit jedem zurückgelegten Höhenmeter kühler werden dürfte. Mein berglauferfahrener Laufkollege hatte meine Möglichkeiten vor ein paar Wochen bei 2 Stunden und 35 Minuten eingeschätzt, die ich für die Strecke auf den Rochers-de-Naye brauchen würde. Mit der Startzeit um 9:15 Uhr nahm ich mir eine Zeit unter 2:45 vor – so würde ich vor dem Mittag oben sein. Die 2:30 meines Kollegen hatte ich aber bei der Anmeldung frech als geschätzte Laufzeit angegeben und wurde prompt in den zweiten von vier Blöcken eingeteilt. War das nicht ein bisschen zu mutig? Immerhin standen neben mir entschlossen wirkende Kampfberggeissen mit Shirts, deren Aufdruck zu beeindrucken wusste: Swiss Alpine, Eiger Ultra Trail, Jungfrau Marathon oder Matterhorn Ultraks 46K – letzterer trug übrigens das aktuelle Shirt von Ende März … Für mich hiess das, erst einmal hinten im Block anzustehen, um ja nicht zu schnell loszulegen und bei der ersten Steigung schon schlappzumachen.

Der erste Block preschte zügig aus dem Startbereich und zog schnell davon. Im zweiten Block liess man es hingegen wider Erwarten ruhig angehen. Ich hielt mich ans Tempo des Hauptfeldes, das den ersten Kilometer deutlich über 5 Minuten lief. Gross war die Lust, auf die Tube zu drücken und davonzuziehen – schliesslich trug ich eine Startnummer auf der Brust, da wird nicht geschlichen. Sonst hätte ich ja gleich bei den Walkern starten können … Die Leute um mich herum schienen aber zu wissen, was noch auf uns zukommen sollte und ich konnte es nur erahnen.

Bald schon führte die Strecke aus Montreux hinaus und in eine enge Schlucht, auf deren Waldpfad es angenehm kühl war. Zwar stieg der Kurs kontinuierlich an, doch noch liess sich das locker wegstecken. Einzig die zahlreichen ungleich hohen Treppenstufen, mit denen der Weg gespickt war, waren mühsam und durchbrachen immer wieder den Rhythmus. Kam noch hinzu, dass die Kolonne vor mir zeitweise in einen zügigen Wanderschritt überging, was mich dazu zwang, den Laufschritt vorübergehend ebenfalls aufzugeben und mich anzupassen.

Nach rund 4 km durch die Schlucht kam man oben in Glion an. Der erste Verpflegungsposten bot eine überraschende Vielfalt an Früchten und sogar „Gummizüg“, womit die Organisatoren mein Herz natürlich im Sturm eroberten! Wasser gab es selbstverständlich auch und so gestärkt nahm ich die Fortsetzung unter die Füsse. Und die führte nun ca. 2 km flach oder gar leicht abwärts auf einer angenehmen Asphaltstrasse durch den Wald. Der Moment war also gekommen, um zwischendurch mal auszuprobieren, ob ich nach dem Gekraxel in der Schlucht noch einen einigermassen passablen Laufschritt hinkriegte. Doch, mit 4:20 auf dem nächsten Kilometer war ich zufrieden – Wohlfühltempo eben. Doch das währte nicht lange, denn es folgten postwendend die nächsten vier Bergkilometer hinauf nach Caux. Diesmal lief man sie aber auf der Strasse, was mich immerhin halbwegs im Laufschritt hielt.

In Caux herrschte eine tolle Stimmung am Strassenrand, die sich auch auf das Läuferfeld übertrug. Länger als erwartet lief man anschliessend wieder etwas flacher und im kühlen Schatten des Waldes. Kilometer um Kilometer zog vorüber und ich wartete immer darauf, dass hinter der nächsten Kurve ein satanisch steiler Single-Trail abzweigen und dem Spass ein jähes Ende bereiten würde.

Dieser Moment kam 5 km vor dem Ziel. Und wenn man sich 5 km vor dem Ziel auf einer Höhe von rund 1100 m. ü. M. befand, das Ziel selber aber auf 1948 m. ü. M. lag, so musste man kein Mathe-Genie sein, um sich vorzustellen, was nun folgen würde. Statt eines Single-Trails zeigte sich der Weg allerdings auf den folgenden beiden Kilometern noch in der Gestalt einer gut ausgebauten Bergstrasse. Dennoch musste ich 4 km vor Schluss den Laufschritt aufgeben und versuchen, mich mit schnellem Wandern voranzukämpfen (um den bösen Begriff „Walken“ an dieser Stelle zu vermeiden …).

Nach einer weiteren Verpflegung und erfrischt durch einen Wasserschwamm nahm ich den drittletzten Kilometer wieder joggenderweise in Angriff. Doch schon beim nächsten KM-Schild war es wieder vorbei und auch mit zügigem Wandern hatte mein Geschleppe nichts mehr zu tun. Tröstend war einzig die Tatsache, dass es den anderen auch nicht besser ging. Die Läufer konnte man zu diesem Zeitpunkt nur noch anhand der fehlenden Stöcke von den Walkern unterscheiden und daran, dass die Walker allgemein frischer wirkten, obwohl sie mehr als eine Stunde früher gestartet waren. Dass man den rettenden Gipfel auf den letzten beiden Kilometern immer vor sich sah, half auch nicht weiter – im Gegenteil, man sah auch die Menschenschlange, die sich unendlich langsam dort hochquälte. Nur ab und zu zischten einzelne Läufer an uns vorbei, die offenbar noch Kraft und Energie übrig hatten, was bemerkenswert war.

Auf dem letzten Kilometer folgt in der Regel nochmals eine leichte Tempoverschärfung, die den Schlussspurt einleitet. Diese blieb aber in meinem Fall bis hundert Meter vor der Ziellinie aus. Doch dann raffte ich mich auf und versuchte, die letzten Meter einigermassen erhaben im Laufschritt zurückzulegen. Wie erhaben das am Ende wirklich war, werden die Fotos zeigen …

Aber ich war oben. Ich war im Ziel auf 1948 m. ü. M. in einer Zeit von 2:35.56,6. Mein Laufkollege lag doch nicht gänzlich falsch mit seiner Prognose und ohne die zwei, drei Verschnaufpausen auf dem letzten Kilometer hätte es vielleicht sogar gereicht. Aber immerhin – das Mittagessen im Restaurant wurde just in diesem Moment aufgetischt und das Mittagglöggli hatte noch nicht zu Tisch gerufen. Ziel erreicht – in jeder Hinsicht.