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06.10.13  80. Murtenlauf: Erwartete Zeit knapp verpasst, aber trotzdem zufrieden

Morat - Fribourg war vor zwei Jahren die grosse Herausforderung in meiner damaligen Saison. Noch nie zuvor war ich über 17 km gelaufen und ich hatte grossen Respekt vor diesem Lauf. Angekommen bin ich, die persönliche Zeitvorgabe von unter 1:40 h habe ich mit 1:39.46,3 knapp erfüllt (wie so oft ging es um wenige Sekunden ...) und geblieben ist davon vor allem eines: die Erinnerung an den bisher schönsten Lauf meines Läuferlebens. Nie zuvor war die Stimmung am Strassenrand besser, die Herausforderung grösser und das Ankommen im Ziel schöner. Auf dem Heimweg stand für mich deshalb fest, dass es nicht mein letzter Murtenlauf sein würde.

Heute fuhr ich früh morgens wieder nach Murten, diesmal zur 80. Austragung dieses geschichtsträchtigen Gedenklaufs. Die Ausgangslage war nicht mehr ganz dieselbe. Mit einer Zeit von 1:39 würde ich mich definitiv nicht mehr zufrieden geben, zumal der Lauf vom Start bis ins Ziel auf feinstem Asphalt verläuft, der mir eigentlich sehr gut liegt. Da wollte und musste ich mich an der Richtzeit der diesjährigen 10 Meilen Laufen mit 1:14 (auch wieder knapp unter 1:15 ...) für 16.1 km orientieren. Die Streckenführung musste wegen der Baustelle der neuen Poyabrücke in Fribourg geringfügig angepasst werden, so dass sie dieses Jahr nicht wie sonst 17.17 km, sondern 17.45 km lang war. Bei der Umleitung handelte es sich lediglich um eine Ehrenrunde um die BCF Arena des HC Fribourg-Gottéron, der heute weichen und auswärts gegen den Z antreten musste.

Geht man davon aus, dass die Streckenführung beim Murtenlauf weniger anspruchsvoll und etwas schneller ist als in Laufen, so sollte ich eine Zeit von 1:20 eigentlich schaffen. Das meinten auch die Veranstalter und teilten mich in den Block C ein, dessen Vorgabezeit die besagten 1:20 waren. Soweit also alles klar und nach dem Aufwärmen fühlte ich mich denn auch frisch und munter, wenn auch etwas "unterkoffeiniert", da es anders als 2011 nicht mehr für eine Tasse Kaffee im Restaurant Fontana im malerischen Städtli von Murten gereicht hatte.

Die ersten zwei Kilometer waren schnell - zu schnell, wie sich später herausstellen sollte. Im Block C waren eben nicht nur Immer-knapp-die-Vorgabezeit-Erfüllende wie ich dabei, sondern auch Immer-knapp-unter-der-Vorgabezeit-des-vorderen-Blocks-Bleibende und so wurde ich zu einem Tempo von 4:15 min. auf dem ersten und 4:17 min. auf dem zweiten Kilometer verleitet. Doch bereits beim ersten leichten Anstieg merkte ich, dass ich zu diesem frühen Zeitpunkt im Rennen schon erstaunlich müde war und ich musste wohl oder übel etwas Tempo rausnehmen. Fortan bewegten sich die Kilometerzeiten stets zwischen 4:45 min. und 4:55 min., ab und zu auch mal über 5 Minuten. Die 1:20 h lagen dadurch in weiter Ferne, zumal noch die nette Steigung von La Sonnaz bevorstand.

Allmählich konnte ich aber meinen Rhythmus finden und das Tempo einigermassen halten, wobei ich immer das Gefühl hatte, irgendwie verknorzt zu laufen. Genau diesen Eindruck bestätigte später Viktor Röthlin auf seine Beine bezogen in Facebook. Ich lief also auf Augenhöhe mit der Elite, wenn auch nur in Bezug auf die Schwierigkeiten.

Spätestens in Courtepin liess ich die Zielzeit mal Zielzeit sein und freute mich stattdessen über die erneut fantastische Stimmung am Streckenrand. Es hat sich einmal mehr bewahrheitet: Das beste Strassenpublikum findet man an Läufen in der Romandie! Da standen ganze Familien am Strassenrand, bis an die Zähne mit Weissweinflaschen bewaffnet und feurten die sich abquälende Läufermeute an, während sie sich selber dem Verzehr von köstlichem Gruyière AOC widmeten.

Bei La Sonnaz herrschte wie angekündigt Partystimmung pur und entlang des Aufstiegs über saftige Kuhweiden säumten noch grössere Menschenmassen die Strasse, die nicht nur die Elite, sondern auch uns Freizeitläuferinnen und -läufer mit grosser Begeisterung antrieben. Da wähnte man sich schon fast bei der Ankunft auf der Alp d'Huez an der Tour de France, nur war unser Anstieg nicht so lange und nicht so steil. Überhaupt wird La Sonnaz meiner Meinung nach viel zu sehr überschätzt. Einen ähnlichen Anstieg läuft man bei den 10 Meilen Laufen schon kurz nach dem Start, ohne dass ihn je jemand erwähnen würde. Der wirklich giftige Anstieg folgte erst noch. Die letzten 1.5 km in Fribourg die Stadt hinauf ins Ziel haben es in sich.

Doch auch das klappte und am Ende schaffte ich es in 1:23.39,1 ins Ziel - eigentlich gar nicht so viel daneben. Mehr wäre heute beim besten Willen nicht möglich gewesen und ich bin sehr zufrieden, dass ich meinen kleinen Einbruch kurz nach dem Start auffangen und den Lauf letztlich zufriedenstellend ins Ziel bringen konnte.

Und auch heute steht fest: Morat - Fribourg gehört zum Schönsten, was der Schweizer Laufkalender zu bieten hat. Und ja, es war garantiert nicht mein letzter Murtenlauf! Ich werde wiederkommen - vielleicht nicht nächstes Jahr, aber sicher irgendwann.