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26.10.13  DNF is no option! DNS auch nicht – oder etwa doch?

In Läuferkreisen gilt der altbekannte Grundsatz: DNF is no option! Dabei steht DNF für „did not finish“, was dem Alptraum eines jeden Läufers gleichkommt. Die Vorstellung, bei einem Lauf zu starten und unterwegs aufgeben zu müssen, ist schon fast unerträglich. Von aussen betrachtet fällt es einfach, diesen Grundsatz zu stützen. Schliesslich kann doch niemand ein solches Weichei sein und mittendrin einfach aufgeben. Da muss man halt auf die Zähne beissen und das Ding durchziehen. Ansonsten ist man schlicht und einfach zu schwach für den (Lauf-)Sport.

Dass DNF trotzdem vorkommen kann und auch vorkommen darf, hat zuletzt Sabrina Mockenhaupt an der Leichtathletik-WM in Moskau erfahren müssen. Sie hat ihr Rennen über 10‘000 m taktisch ungeschickt begonnen, wollte zu früh im Lauf das Tempo anziehen und es allen beweisen. Nach einer Weile fand sie sich an ungünstiger Position wieder. Hinter ihr waren die Langsamen, vor ihr die Spitze. Mockenhaupt selber lag irgendwo dazwischen. Zu schnell, um sich nach hinten fallen zu lassen. Schliesslich war WM und da bremst man einen Lauf nicht ab. Doch bis nach ganz vorne reichte die Kraft auch nicht und so wurde der Lauf zusehends zu einem zermürbenden Kampf gegen den eigenen Kopf, den Mockenhaupt nach 7 km aufgeben musste. Obwohl dieser Entscheid im Moment sicher richtig war, musste sie sich in den folgenden Tagen und Wochen einiges an Kritik gefallen lassen. Diese war zum Teil sicher gerechtfertigt. Schliesslich ist Mockenhaupt Profisportlerin. Sie ist bei der Bundeswehr angestellt, kann sich aber im täglichen Leben voll und ganz ihrer Laufkarriere widmen. Zudem hat sie mit Orthomol und Puma zwei zahlungskräftige Sponsoren im Rücken, die ihr diese Läuferkarriere erst ermöglichen. Da dürfte man eigentlich auch erwarten, dass sie am Tag X an einer WM ihre Leistung abrufen kann. Eigentlich – doch Sabrina Mockenhaupt ist eben auch keine Maschine, die ihre Leistung auf Knopfdruck und ohne Wenn und Aber abrufen kann. Nach einigen Wochen des Haderns hat sie sich wieder gefangen und blickt mit Zuversicht dem bevorstehenden New-York-Marathon entgegen, an dem sie erneut beweisen will, dass sie es kann. Und sie kann es. Schliesslich ist sie seit Jahren Deutschlands beste Langstreckenläuferin (mal abgesehen von der Grande Dame des Marathons und Duracell-Häschen zugleich, Irina Mikitenko).

Klar, dass auch ich mir DNF gross auf die Fahne geschrieben habe. Ist ja auch nicht weiter schwierig als Hobbyläufer. Da meldet man sich halt einfach nur zu Läufen an, die man auch zu Ende laufen kann. Basta. Bis jetzt ist die Rechnung aufgegangen, obwohl ich mir schon oft vor allem in der Anfangsphase eines Laufes nicht so recht sicher war, ob es denn gut kommen würde. Es ist aber noch immer gut herausgekommen. Also: DNF ist definitiv keine Option.

Aber wie sieht es denn mit DNS aus? Was, wenn man sich zu einem Lauf angemeldet hat und dann nicht startet? Ist das dasselbe wie DNF oder darf ein DNS ruhig einmal im Datasport-Konto auftauchen? Bis anhin musste ich mich mit diesem Gedanken zum Glück nie abmühen. Im Gegenteil, ich habe mich noch immer zweimal im Jahr für die Läufe registriert. In der Altjahreswoche erfolgen in der Regel die Anmeldungen für die erste Saisonhälfte, die schon fast traditionell mit den 10 Meilen Laufen ihren Höhepunkt findet. Darauf folgen zwei Monate Sommerpause ohne Wettkämpfe. Im Juli melde ich mich dann jeweils für die Herbstrennen bis Ende Jahr an. Das hat noch immer geklappt und ich musste noch nie auf einen Start verzichten.

Bis letzten Sonntag. Ich war für die Laufstaffel des Lauftreffs beider Basel anlässlich des Herbstlaufs in Riehen angemeldet, musste aber eine Woche zuvor meine Teilnahme absagen. Was war los? Nun, die laufende Saison gehört zu den vielseitigsten und spannendsten seit Beginn meines noch jungen Läuferlebens im Frühling 2010. Allerdings haben meine Beine mit den 20 km de Lausanne, den 10 Meilen Laufen und vor allem auch mit dem Course VCV auf den Chasseral schon ziemlich viele Downhill-Kilometer abfedern müssen. Dabei sind sie bei einem Kampfgewicht von 83 kg weiss Gott nicht zu beneiden. Irgendwann hat sich die linke Hüfte dann gesagt: „So, das reicht. Ich steige aus.“ Das war vor zwei Wochen in einem lockeren Freitagabend-Training. Da spürte ich zuerst ein leichtes Ziehen, das schliesslich stärker wurde und mich am Ende zum Trainingsabbruch zwang. Es folgten zwei Tage im Quasimodo-Gang mit sehnsüchtigem Blick auf jeden Rollator, den ich unterwegs sah. Danach konnte ich immerhin wieder normal gehen, doch eine Teilnahme an der Staffel in Riehen war ausgeschlossen.

Tja, und nun ist wieder eine Woche vergangen und es ist der Vorabend des 2. Muttenzer Herbstlaufs. Ein Lauf, der neben den 10 Meilen Laufen zu meinen bevorzugten Laufveranstaltungen gehört und für den ich auch sehr gerne auf meiner Webseite werbe. Ein Lauf, dessen Veranstalter im letzten Jahr keine Mühe gescheut haben, uns einen attraktiven, vielseitigen und vor allem anspruchsvollen Kurs zu bieten. Ein OK, das bereits bei der ersten Durchführung alles im Griff hatte und den Teilnehmenden das Gefühl gab, dass es den Lauf schon seit Jahrzehnten geben würde. Und vor allem ein Lauf, bei dessen Erstaustragung ich dabei sein durfte und bei dem ich mir fest vorgenommen habe, jedes Jahr zu starten. Nicht zuletzt ist Muttenz auch ein Lauf, auf den ich mich schon seit einem Jahr freue.

Und nun sitze ich hier vor dem PC und lese es schwarz auf weiss: Ich werde morgen nicht starten. Punkt.

DNS? Geht’s noch? Man wird doch wohl noch ein bisschen auf die Zähne beissen können, schliesslich ist bald Saisonende! Genau! Es ist bald Saisonende und das kommt dieses Jahr in Form der ersten Teilnahme am Zürcher Silvesterlauf (15.12.) daher. Ein Lauf über 10 Kilometer durch das weihnachtlich dekorierte Zürich und definitiv die letzte Chance, meine persönliche Bestzeit über 10 km in diesem Jahr noch zu unterbieten. An diesem Lauf zu fehlen, wäre eine herbe Enttäuschung.

Doch was ist denn nun mit Muttenz? Mal abgesehen von einer guten Zeit, die unter diesen Umständen sowieso nicht möglich ist – wäre es nicht zumindest machbar, die 10 km zu laufen? Einfach, damit man dabei war?

Genau das wollte ich heute Nachmittag abschliessend herausfinden. Ich trabte locker eine Strecke von rund 100 m, was auch ziemlich gut geklappt hat. Dann kam das erste Ziehen in der Hüfte zurück. Nach einer Weile verschwand es wieder und für mich stand fest: Ich starte in Muttenz!

Nach fünf Minuten Pause versuchte ich es erneut und trabte einige hundert Meter. Das Ziehen war zwar deutlich spürbar, aber nicht so schlimm. Nach einer weiteren Pause versuchte ich, ein drittes Mal in die Gänge zu kommen. Nun war aber definitiv Schluss. Der Blick nach unten auf meine Beine bestätigte es: Ich humpelte wie ein armseliger Strassenköter über den Asphalt, so dass meine ASICS-Treter laut aufschrien und sich sofort einen neuen Besitzer wünschten, mit dem sie wieder richtig laufen konnten und nicht mehr jämmerlich den Weg entlang schleichen mussten … Und das nach gerade mal 2 km!

Was nun? Vor zwei Jahren wäre die Antwort klar gewesen: Morgen früh am Bahnhof eine Packung Ponstan kaufen, dazu zwei Red Bull trinken und ab auf die Laufstrecke! Inzwischen bin ich nicht nur zwei Jahre älter geworden, sondern zum Glück auch zwei Jahre vernünftiger. So stand meine Entscheidung schon bald fest: DNS ist keine Schande, sondern vielmehr ein Sieg der Vernunft über ein vielleicht allzu draufgängerisches Läuferherz.

Ein Vorteil hat das Ganze immerhin: Ich kann morgen entspannt und mit voller Aufmerksamkeit den Lauf meiner Jungs geniessen, die im Gegensatz zu mir top fit sind und es kaum erwarten können, die 900 m des Kinderlaufs in Angriff zu nehmen.

Ich selber werde wohl oder übel eine weitere trainingsfreie Woche einschieben müssen. Das nächste Ziel ist der Basler Stadtlauf am 30. November, an dem ich meine Laufpartnerin als Sehbehinderten-Guide optimal unterstützen und sicher über die Laufstrecke führen will. Spätestens dann ist das DNS in meiner Chronik vergessen.