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04.04.14  Ein Hoch auf die Bundesbahnen …

Zuerst möchte ich anmerken, dass ich mit den SBB im Allgemeinen sehr zufrieden bin. Als „Autoloser“ ist die Bahn mein Verkehrsmittel Nr. 1 und sie bringt mich täglich bequem und pünktlich an verschiedene Orte in der ganzen Nordwestschweiz, während ich gemütlich im Wagen sitze und arbeite oder Laufzeitschriften lese. Alles in allem also eine gelungene Sache, diese Bahn.

Leider hat sie sich aber diese Woche von ihrer schweizerischsten aller Seiten gezeigt, was leider dazu geführt hat, dass ich morgen mit Ersatzausrüstung nach Paris fahren muss. Aber der Reihe nach:

Am Mittwochabend bin ich in Basel schwer bepackt mit Unterrichtsmappe und Laufrucksack in den ICN nach Laufen gestiegen. Der Zug war wegen der Baselworld, die gerade zu Ende ging, sehr gut besetzt und so legte ich den Laufrucksack auf die Gepäckablage. Die Mappe behielt ich in der Hand.

Im Laufrucksack waren ein paar Laufklamotten vom Mittagstraining, meine Sigma-Pulsuhr und die ASICS-Laufschuhe vom Modell Trainer 18, besser bekannt als die „Rattenscharfen“. Letztere habe ich extra für den Marathon in Paris gekauft und in Payerne ein erstes Mal wettkampfmässig getestet. Ein äusserst flinker Finken, der wie geschaffen ist für flache, asphaltierte Strecken. Genau richtig für Paris, also.

Um 20:20 Uhr kam der Zug in Laufen an, um 20:21 Uhr stellte ich draussen auf der Strasse fest, dass ich den Rucksack im Zug vergessen hatte. In dem Moment sah ich den ICN losfahren, weiter in Richtung Lausanne.

Zu Hause angekommen meldete ich mich umgehend beim Kundendienst der SBB. Man bot mir zwei Optionen an. Die eine wäre eine Vermisstmeldung gewesen, mit der die Angaben zum Rucksack aufgenommen worden wären, so dass ich ihn irgendwann einmal im Fundbüro hätte abholen können. Die zweite Variante war ein Suchauftrag für 50 Franken. In diesem Fall würde direkt der Zugführer benachrichtigt, damit er sich auf die Suche nach dem verlorenen Gepäckstück machen kann.

Selbstverständlich wählte ich die zweite Option. Die 50 Franken waren es mir wert, denn schliesslich waren meine besten Schuhe und die Pulsuhr im Rucksack – beides Dinge, die ich in Paris unbedingt brauchen würde.

Die Kundenberaterin bestätigte mir, dass der Rucksack nach Auffinden innert drei Tagen zum Bahnhof meiner Wahl gebracht werde. Ich wies sie darauf hin, dass ein Eintreffen am Samstag zu spät wäre, da ich früh morgens schon nach Paris fahren werde. Sie beruhigte mich und meinte, der Rucksack werde wahrscheinlich bereits am Freitag eintreffen.

Kurze Zeit später erhielt ich einen Anruf mit der Bestätigung, dass man den Rucksack nun gefunden hätte. Zu diesem Zeitpunkt war der Zug ungefähr in Biel. Man hätte den Rucksack also ausladen und mit dem nächsten Zug zurückschicken können. Aber eben, Freitag würde auch noch reichen.

Heute Morgen ist mit der Post ein Brief der SBB eingetroffen, in dem mir bestätigt wird, ich hätte meinen Rucksack verloren und sie hätten ihn gefunden. Das muss ich natürlich schwarz auf weiss haben, am besten auf einem offiziellen Bundesformular. Schliesslich sind wir in der Schweiz, da wird sauber gearbeitet.

Gegen 14 Uhr erhielt ich eine SMS mit der Mitteilung, der Verlustgegenstand könne am Samstag ab 16:15 Uhr am Bahnhof Laufen abgeholt werden. Um diese Zeit werde ich wohl an der Running Expo in Paris die hübschen ASICS-Sachen bestaunen und es dürfte schwierig werden, den Rucksack en passant abzuholen.

Mir blieb noch ein letztes Fünkchen Hoffnung, am Sonntag doch noch mit Sigma-Uhr und den Rattenscharfen an den Start gehen zu können. Ich fragte auf dem Heimweg direkt am Bahnhof Laufen nach, ob man mich vielleicht informieren könnte, falls der Rucksack doch noch heute Abend ankäme. Der Bahnhofvorstand winkte ab. Der vermisste Rucksack sei fix auf einen Transport eingeplant, der fahrplanmässig am Samstagnachmittag eintreffen werde. Dies sei zu meinem Vorteil, denn so sei gewährleistet, dass der Rucksack zu jedem Zeitpunkt sicher sei und bewacht werde. Wir sind schliesslich in der Schweiz.

In diesem Fall wäre es mir aber sehr entgegen gekommen, wenn für einmal nicht die Qualität und die Sicherheit im Vordergrund gestanden hätten, sondern die Effizienz. Die Bahnstrecke von Biel nach Laufen beträgt rund 52 Kilometer. Dafür benötigt mein Rucksack am Ende geschlagene 3 Tage. Immerhin kennt er bis dahin das eine oder andere Gepäckdepot und darf von sich behaupten, eine erstklassige Betreuung durch die Schweizerischen Bundesbahnen erfahren zu haben.

Im Grunde genommen sind sie ja ganz in Ordnung, unsere Bahnen. Schliesslich hat mich niemand dazu gezwungen, meinen Rucksack liegenzulassen. Für zwei alte Kollegen zahlt es sich hingegen aus und sie kommen unerwartet zu einem heldenhaften Einsatz: meine erste Pulsuhr, Marke Polar, und mein zweites Paar Trainer-18-Schuhe, die mich schon über die Laufstrecken der 20 km de Lausanne und des Halbmarathons in Freiburg (Breisgau) getragen haben.

Willkommen im Team! cool