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29.11.15  Der Basler Stadtlauf – eine Art Hassliebe

Gleich zu Beginn sei an dieser Stelle explizit erwähnt, dass der 33. Basler Stadtlauf gestern Abend objektiv gesehen eine grossartige Laufveranstaltung mit vielen glücklichen Finisher-Gesichtern war. Dennoch habe ich zu diesem Lauf in den letzten Jahren ein eher ambivalentes Verhältnis.

Mit den Herbstläufen endet für mich jeweils der ambitionierte Teil der Laufsaison. Ab November folgen traditionsgemäss der Basler Stadtlauf und meistens noch ein Chlausen-Advents-wie-auch-immer-Lauf zum Saisonabschluss. Diese Veranstaltungen haben alle etwas gemeinsam: Sie sind unberechenbar, was die Bedingungen zum Erreichen einer gewünschten Zielzeit entspricht. Allerdings bleibt anzufügen, dass das weder für die eher langsameren Volksläufer/innen noch für die Elite gilt. Erstere können auch an diesen Läufen ihre Ziele ohne grössere Behinderungen erreichen und letztere lassen sich von den nachfolgend beschriebenen Einschränkungen nicht aus dem Konzept bringen, weil sie eben Spitzensportler sind und entsprechend damit umgehen können. Ich behaupte aber an dieser Stelle, dass Läufe wie der Basler Stadtlauf für das Gros der ambitionierten Freizeitläufer zusehends mühsamer werden.

Schauen wir uns mal die Streckenführung des Basler Stadtlaufs genauer an. Der Start erfolgt auf dem Münsterplatz auf Höhe des Münsters. Noch bevor die Startzeitmatte überschritten wird, läuft man bereits die erste Kurve, in der sich der Weg verengt. Wenige Meter später biegt man auf Höhe des Kunstmuseums auf die eigentliche Laufroute ein – und dies mit einer engen 90-Grad-Kurve. Anschliessend folgt man der Strasse bis zum Bankverein, wobei die Strecke an dieser Stelle nicht einmal die Breite einer Strassenfahrbahn hat. Danach wird es etwas besser und die Freie Strasse hinunter hat man dann wesentlich mehr Platz und das Gedränge löst sich etwas auf. So gesehen besteht also wenig Anlass zum Meckern, zumal es sich halt um einen Stadtlauf handelt und solche Läufe oft durch viele Richtungsänderungen und enge Kurven geprägt sind. Das ist auch anderswo nicht anders.

Damit man beim Start gut wegkommt und nicht gleich schon in der Rittergasse eingeklemmt und behindert wird, muss man sich zwangsweise ganz vorne einreihen. Das heisst aber auch, dass man das Tempo der vordersten Startreihen zumindest bis Höhe Bankverein mitmachen muss – und das ist bei Läufern mit einer Zielzeit um die 18 min. von Anfang an recht hoch! Entweder man ist in der Lage, von Beginn weg Vollgas zu geben, so dass man die Schnelleren nicht behindert oder man muss halt anständig genug sein und sich weiter hinten einreihen, was wiederum die Gefahr birgt, dass die eigene Zeit schon auf den ersten Metern zunichte gemacht wird, weil es beim Start regelmässig zu einem Gedränge und zu Stockungen kommt.

Für mich lief es gestern von Beginn weg sehr gut. Ich kam gut weg, konnte das Tempo bis zur Freien Strasse so mithalten, dass ich die Cracks um mich herum nicht behinderte und hatte anschliessend genug Platz, mein Rennen zu laufen. Das war aber nur möglich, weil nur noch sehr wenige langsamere Läufer der früher gestarteten Kategorien von den Junioren bis zu den Männern bis 34 Jahre unterwegs waren. In diesen Kategorien laufen viele in einem hohen Tempo und so waren die meisten schon im Ziel, als wir auf dem Münsterplatz auf die Strecke geschickt wurden.

Nach meinem Lauf verfolgte ich das Rennen der Kategorien M45 / M50 als Zuschauer vom Streckenrand aus in der Freien Strasse. Und diese Läufer hatten nun erhebliche Nachteile. Weil inzwischen fast 10‘000 Läuferinnen und Läufer am Stadtlauf starten, sind die Startintervalle entsprechend knapp gehalten, damit die letzten nicht irgendwann gegen Mitternacht auf die Strecke geschickt werden. Das bedeutet aber auch, dass die schnellen Läufer der M45 / M50 – und da gibt es immer wieder sehr schnelle – nach kurzer Zeit auf die letzten der vorher gestarteten Frauen auflaufen. Dabei ist nicht einmal das Startintervall selber das Problem, das immerhin eine halbe Stunde beträgt. Vielmehr werden die Frauen von 35 Jahren aufwärts alle miteinander losgeschickt. Und da sind auch immer wieder zahlreiche Läuferinnen im Alter von 70 Jahren und weit darüber dabei, was an sich bemerkenswert ist. Dass diese reiferen Damen aber wesentlich langsamer sind, als die besten der Männer bis 50 Jahre, liegt auch auf der Hand.

Und so kommt es eben schon bald zum Aufeinandertreffen der beiden Gruppen, was die schnelleren Männer gestern enorm gebremst hat. Zwar macht der Veranstalter immer wieder darauf aufmerksam, dass am Stadtlauf die langsameren Läufer/innen rechts laufen sollen, damit die schnelleren links vorbeiziehen können. Doch erstens halten sich nicht alle daran und zweitens ist das in der Freien Strasse auch gar nicht möglich, da man auf der letzten Runde kurz vor dem Zieleinlauf auf dem Marktplatz dazu aufgefordert wird, auf der linken Strassenseite zu laufen – also genau dort, wo die Schnelleren überholen. Kommt hinzu, dass immer noch erstaunlich viele mit Kopfhörer unterwegs sind und es deshalb auch nichts bringt, wenn sich herannahende Läufer/innen von hinten lautstark bemerkbar machen. Einige zogen geradezu in stoischer Ruhe ihren Meditationslauf mitten auf der Strasse durch und merkten offenbar nicht, dass sie dadurch ein Riesenhindernis darstellten.

Dieses Phänomen zeigt sich zwar auf der Kleinbasler Seite der Strecke weniger stark, doch mit so vielen Teilnehmenden, die gleichzeitig unterwegs sind, kann es auch dort zu Behinderungen kommen. Aus dem, was ich gestern als Läufer selber und anschliessend als Zuschauer erlebt habe, ziehe ich das Fazit, dass man in der Kategorie bis und mit M40 gute Chancen hat, sein Rennen planmässig durchzuziehen, wenn man denn weit vorne startet und bereit ist, am Anfang allenfalls etwas über seinem Tempo zu laufen. Ab Kategorie M45 dürfte es aber zusehends schwierig werden, weil da die Behinderungen unterwegs markant zunehmen. Bleibt aber auch hier anzufügen, dass das nicht für alle gilt. Schliesslich wurden gestern Abend bis in die Kategorie der über 60-Jährigen schnellere Zeiten gelaufen, als ich sie mit meinen 20.29,2 hinkriegte. Es wird also immer Läufer/innen geben, die trotz Hindernissen bemerkenswerte Leistungen erbringen. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Basler Stadtlauf für diejenigen, die in meiner Leistungsbandbreite unterwegs sind, zusehends schwieriger und mühsamer wird.

Bevor ich abschliessend doch noch zum liebenden Teil dieser Hassliebe komme, muss ich noch ein letztes Ärgernis loswerden. Wie bitte soll man als Läufer/in zum Startgelände auf dem Münsterplatz gelangen, wenn dieser auf allen Seiten von der Laufstrecke umgeben ist und man sie notgedrungen an irgendeiner Stelle überqueren muss? Seitens des Veranstalters wird der Zugangsweg über die Schifflände und den Rhysprung empfohlen. Dies wahrscheinlich deshalb, weil bei der Schifflände weniger Gedränge herrscht und man dort besser über die Strecke huschen kann. Allerdings befinden sich die Garderoben in der Turnhalle der Schule Holbein und des Gymnasiums Leonhard. Von beiden Standorten aus wäre ein Zugang via Barfüsserplatz und Bankverein zur Rittergasse naheliegender. Doch just an diesen Stellen sind die eingangs beschriebenen neuralgischen Punkte der Strecke, auf denen sowieso immer ein Gedränge herrscht und wo ein Überqueren der Laufroute praktisch unmöglich ist, ohne dabei die Läufer/innen zu behindern.

Es gäbe also noch vieles, was man am Stadtlauf besser machen könnte. Ein Vorteil von Laufveranstaltungen dieser Grösse ist es aber, dass sie sich keine Sorgen um die Teilnehmerzahlen machen müssen, da diese eh erreicht werden. Zudem dürfte man in Basel mit der ansässigen Kantonalbank, dem grössten Pharmariesen und dem Supermarkt, dessen Schokolade man auch im Ausland mag, auch finanziell gut situiert sein und muss sich deshalb weniger stark um die Qualität kümmern. Gut, der letzte Satz dürfte etwas polemisch wirken – ich lasse ihn trotzdem so stehen.

Nun aber zum Schluss noch ein Wort zum Schönen am Basler Stadtlauf und wohl zum Grund dafür, weshalb auch die Kritiker des Laufes alljährlich wiederkommen. Die Atmosphäre an diesem Lauf ist und bleibt einfach einzigartig. Nirgends ist die Weihnachtsbeleuchtung prachtvoller und sind die Strassen dichter gesäumt. Nirgends ist die Stimmung entlang der Strecke besser und nirgends wird jede Läuferin und jeder Läufer so frenetisch gefeiert. Und ja, Basel ist halt auch einfach eine schöne Stadt – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

So ist auch für mich der 34. Basler Stadtlauf im nächsten Jahr fix in der Saisonplanung enthalten, denn Traditionen soll man schliesslich pflegen. Und solange ich keine Spitzenzeiten laufe, müsste ich mich auch nicht über die negativen Seiten des Laufes ärgern. Tue ich aber, weshalb der Basler Stadtlauf weiterhin meine läuferische Hassliebe bleibt :-)