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23.01.16  Wie viel darf ein Lauf kosten?

Zwischen dem Zürich Marathon im April und dem Heimspiel am 10 Meilen Laufen im Juni hatte ich ursprünglich vor, am 14. Mai den GP Bern zu laufen. Erstens ist der GP ein Laufklassiker, der landesweit ein hohes Ansehen hat und nicht zuletzt für die tolle Stimmung entlang der Strecke und die attraktive Strecke selber bekannt ist. Zweitens wäre er mit seinem Hauptlauf über 16.09 km eine willkommene Hauptprobe für den 10 Meilen Laufen. Wäre er – denn inzwischen haben sich meine Pläne grundlegend geändert.

Als die Ausschreibung für den Grand-Prix von Bern ins Haus geflattert kam, staunte ich nicht schlecht. Für die Teilnahme am Hauptlauf wird ein Startgeld von stolzen 50 Franken erhoben. Da ich selber im Organisationskomitee einer Laufveranstaltung mitwirke, weiss ich, welch grosse finanzielle Hürden man als Veranstalter bewältigen muss, um den Teilnehmenden einen attraktiven und rundum gut organisierten Lauf bieten zu können. Berücksichtigt man die beachtliche Grösse, die der GP Bern nun einmal hat, so habe ich doch ein gewisses Verständnis dafür, dass die Kosten mitunter auch über die Startgelder gedeckt werden müssen.

Wenn ich aber andererseits einen Blick auf die prominente Sponsorenliste des GP werfe, so stellt sich mir dennoch die Frage, ob dieses doch sehr hohe Startgeld gerechtfertigt ist. Als Hauptsponsoren treten der im Laufsport sehr erfolgreiche Sportartikelhersteller ASICS, einer der grössten Krankenversicherer der Schweiz sowie der Supermarktriese, dessen Schokolade man auch im Ausland am liebsten mag, auf. Drei Grossfirmen, die auch entsprechend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen werden. Noch einmal, es ist selbstverständlich nachvollziehbar, dass ein Lauf in der Dimension eines GP Bern auch sehr hohe Kosten mit sich bringt. Aber mit diesen drei Hauptsponsoren und weiteren prominenten Leitsponsoren im Rücken noch so heftig bei den Startgeldern einkassieren – muss das sein?

Gut, die Preisjäger unter den Volksläufern – und die gibt es öfter, als man denkt – werden sicher anfügen, dass man als Gegenleistung ein funktionales Langarmshirt, einen Trinkbidon und eine Erinnerungsmedaille erhält. Doch das Shirt wird von ASICS gesponsert, der Bidon von Isostar und für die Medaille bezahlt man 4 Franken extra. Man könnte also das Startgeld auf 46 Franken reduzieren und auf die Medaille verzichten. Das wäre möglich.

Nun gehöre ich aber zu der Sorte Läufer, die in erster Linie des Sportes wegen an einer Laufveranstaltung teilnehmen und nicht primär auf die „Priisli“ schauen, die es abzusahnen gibt. Für mich zählen eine ansprechende und im besten Fall offiziell homologierte Strecke, eine Nettozeitmessung sowie eine läuferfreundliche Organisation im Start- und Zielbereich viel mehr als ein Shirt, ein paar Socken oder sonst etwas, das man noch dazu erhält. Klar, auch ich freue mich darüber, von schönen Läufen ein Andenken mit nach Hause nehmen zu können. Und ja, auch ich bezahle meistens die Extragebühr, wenn ich an einem Lauf eine Erinnerungsmedaille bestellen kann. Dies nicht, um mit der Medaille angeben zu können – dafür müsste ich sie mir ja erst einmal durch einen Podestplatz verdienen – sondern eben vor allem als Andenken. Oft bleibe ich im Vorbeigehen an meiner Medaillenwand zu Hause stehen und schaue mir die teils sehr schön gestalteten „Plämpu“ an. Dabei schwelge ich jeweils in Erinnerungen an diese schönen Laufmomente und freue mich schon auf die kommenden Herausforderungen. Aber eben, zwingend ist es nicht für mich, dass es an einem Lauf Medaillen oder ähnliche „Bhaltis“ gibt.

So bleibt die Frage, wie viel eine Laufteilnahme kosten darf. Nimmt man das Startgeld für die Teilnahme an einem Marathon, so kommt man im In- und Ausland selten unter 100 Franken davon. Wenn ich aber die wesentlich aufwändigere Organisation eines Laufes über 42.195 km mit derjenigen einer Veranstaltung über 16.09 km vergleiche, so muss ich da doch die Verhältnismässigkeit berücksichtigen. Ein Marathon ist in jeder Hinsicht ein Kraftakt – sei es auf oder neben der Strecke. Und der hat seinen Preis, da geht es oft nicht viel günstiger. Zudem sind die bekannten Marathons allesamt Grossanlässe, die rein schon in Bezug auf die Sicherheit, den Verkehrsdienst und die Streckensicherung sehr viel Aufwand mit sich bringen. Als Läufer nehme ich ausserdem höchstens zweimal pro Jahr an einem Marathon teil, da kann ich auch die etwas höheren Startkosten verkraften.

Doch bleiben wir beim GP Bern. Der GP-Hauptlauf führt über 10 Meilen, also 16.09 km. Dieselbe Distanz wird in der Schweiz unter anderem am Aargauer Volkslauf in Aarau und am 10 Meilen Laufen angeboten. Sowohl in Aarau als auch in Laufen startet man bei frühzeitiger Anmeldung für 30 Franken. Beide Läufe haben zwar auch namhafte Haupt- und Leitsponsoren, ohne die eine Durchführung schlicht und einfach nicht möglich wäre. Doch keiner der beiden kann auf einen Multi à la ASICS und Co. zurückgreifen. Zugegeben, ich habe keine Ahnung, in welchem Umfang sich die Hauptsponsoren in Bern beteiligen. Kann sein, dass der Unterschied zu anderen Veranstaltungen im Endeffekt gar nicht so gross ist. Doch unabhängig davon kann man meiner Meinung nach für einen Lauf in dieser Grössenordnung keine 50 Franken Startgeld verlangen – egal, ob der Lauf ein Klassiker, die Erinnerungspreise grossartig oder die Stimmung reizvoll sind.

Ich ziehe deshalb die Konsequenzen aus diesem für mich überteuerten Angebot und habe meine Saisonplanung angepasst. Statt am GP Bern starte ich am 14. Mai neu am 50. Pfingstlauf in Wohlen. Distanz: 10 km; Startgeld: 33 Franken. Proportional gerechnet ist das im Verhältnis zur Distanz zwar teurer als eine Teilnahme am GP. Doch gesamthaft gesehen bewegt sich dieses Startgeld für mich in einem gesunden Rahmen. So stimmt es für mich. Einen solchen Lauf unterstütze ich gerne.