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16.05.16  Wenn der Pfingstlauf zweimal lockt

Dass ich am 50. Pfingstlauf in Wohlen AG starten werde, stand schon länger fest. Dieser Lauf erhielt von mir den Vorzug vor dem grösseren und bekannteren GP Bern, da ich nicht bereit war, die übertriebene Startgebühr von Fr. 50.‑ für den GP zu bezahlen und mich stattdessen in Wohlen meldete. Dass ich keine 48 Stunden später erneut an der Startlinie eines Pfingstlaufes stehen würde, wusste ich am Samstagnachmittag allerdings noch nicht.

Aber schön der Reihe nach. Am Pfingstsamstag war kurz vor 14:25 Uhr alles bereit für den Jubiläumslauf in Wohlen, als Petrus die Schleusen so richtig herzhaft öffnete und es binnen Sekunden kübelweise zu regnen begann. Da half auch der Wald nichts, der nur das Gröbste von den Läuferinnen und Läufern abzuhalten vermochte, die sich trotz allem für den Lauf aufwärmten. Von wegen „an Pfingsten geht's am ringsten“ – dieses Sprichwort konnte ich am Samstag ohnehin nicht umsetzen, weder am Start noch unterwegs. Beim Start zum 10-km-Lauf kam ich nur mühsam weg, da zahlreiche langsamere Läufer/innen vor mir den Weg blockierten und die Strecke allgemein eher eng war. Immerhin, die Zeiten stimmten. Den ersten Kilometer lief ich in 3:46, den zweiten in 3:32. Danach musste ich etwas Tempo rausnehmen, weil es überhaupt nicht rund lief. Frei nach Trappatoni war bei mir bereits nach 3 km schon fast Flasche leer. Irgendwie konnte ich aber dennoch einigermassen mithalten und die Kilometerzeiten lagen im Bereich von 4 Minuten, teilweise sogar darunter. Trotzdem, es war eine Quälerei, die aber letztlich mit einer deutlich verbesserten neuen Bestzeit über 10 km belohnt wurde. Offiziell stand die Uhr bei 39.09,4 still. Das waren ganze 30 Sekunden schneller als meine bisherige PB, die ich vor einem Jahr in Uster lief. Die Leistung passte also letztendlich, doch der Lauf gab dennoch Anlass zur genaueren Analyse. So ging ich das Rennen in Gedanken nochmals durch und überlegte, wo es denn genau klemmte. Daraus ergaben sich 5 Punkte, die ich künftig in den Griff kriegen muss:

  1. Ich darf mich durch suboptimale Umstände wie z. B. ein Gedränge am Start nicht aus dem Konzept bringen lassen, sondern muss dennoch versuchen, so schnell wie möglich den Rhythmus zu finden. Das dauerte am Samstag zwei Kilometer, bis ich halbwegs stabil lief.
     
  2. Wenn nach den ersten schnellen Kilometern der Moment kommt, in dem es mühsamer wird, darf das noch kein Grund sein, nachzulassen und mich schlimmsten Falls damit abzufinden, dass ich es halt zu schnell angegangen bin und nun mein Ziel nach oben korrigieren muss. Im Gegenteil: Aus diesem „Taucher“ komme ich erfahrungsgemäss einen bis spätestens zwei Kilometer später wieder raus. Das ursprünglich gesteckte Ziel darf ich also zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verlieren. Die Konzentration muss voll und ganz dem Rennverlauf gelten.
     
  3. Sobald es bergauf geht, lasse ich nach. Ein Stück weit geht das in Ordnung, schliesslich kann ich von mir nicht erwarten, bergauf gleich schnell zu laufen wie auf der Ebene. Ich neige aber leider oftmals dazu, allzu viel Verlangsamung zuzulassen und mich bergauf ein bisschen zu sehr zu schonen. Da muss ich künftig wieder so beherzt antreten, wie ich es Ende letzte Saison zum Beispiel am Bürelouf ganz gut hingekriegt habe.
     
  4. Obwohl Mathematik auch im Ruhezustand nicht unbedingt meine Stärke ist, so muss ein Mindestmass an Zeitenrechnen auch während des Rennens möglich sein. Gestern hatte ich doch meine liebe Mühe damit, zwei Kilometer vor Schluss abzuschätzen, ob es für eine Zielzeit unter 40 Minuten reichen würde oder nicht. Andererseits könnte man einwenden, dass man solche Rechnereien lieber bleiben lässt und die Energie stattdessen den Beinen zuspricht.
     
  5. Zum Schluss muss es ganz allgemein möglich sein, lockerer und couragierter zu laufen. Irgendwie habe ich allzu oft den „Gagg“ in der Hose, wenn es darum geht, Tempo zu machen. Zeigt die Uhr eine Kilometerzeit von 3:32, erschrecke ich und tendiere dazu, das Tempo zu verlangsamen. Stattdessen sollte ich mich darüber freuen und weiterbolzen, als gäbe es kein Morgen.
     

Fazit am Samstagabend: Neue PB über 10 km und einige wichtige Erkenntnisse für die folgenden Rennen. Doch da war noch etwas anderes. Ich verspürte schon auf dem Heimweg eine Riesenlust, gleich nochmals eine Startnummer anzuheften und loszulaufen. Kaum zuhause angekommen, griff ich nach dem Laufguide und siehe da: Für Montag war ein weiterer Pfingstlauf in Niederbipp BE angesagt. Start um 10 Uhr morgens – das passte perfekt.

So verzichtete ich also heute Morgen aufs Ausschlafen und machte mich schon früh auf den Weg ins Bernbiet. Vor Ort durfte ich dann mit einem Schmunzeln feststellen, dass ich offenbar nicht der einzige war, den es nochmals gestochen hat. In der Sporthalle und später am Start erkannte ich zahlreiche Gesichter wieder, die bereits am Samstag in Wohlen mit von der Partie waren. Tja, Läufer ticken eben auf ihre ganz eigene Art.

Der Hauptgrund für mich, zwei Tage nach einem Rennen schon das nächste zu laufen, lag aber nicht nur an der Lust auf ein weiteres Laufvergnügen. Schliesslich hatte ich ja eine ganze Liste mit Massnahmen im Gepäck, die es schnellstmöglich umzusetzen galt. Und diesmal ging es richtig auf! Schon das Warm-up gestaltete sich äusserst friedlich und auf einer langen, geraden Quartierstrasse waren die Bedingungen für ein ausgiebiges Aufwärmen optimal. Auch das Wetter spielte mit und es war angenehm kühl, aber trocken.

Beim Start kam ich von Beginn an gut weg und fand erfreulich schnell meinen Rhythmus. Dies lag sicher daran, dass die Strecke auf den ersten zwei Kilometern weitgehend schnurgerade verlief, was mir sehr entgegenkam. Zudem war die Strasse asphaltiert und entsprach genau meinem Gusto. Den Leistungsabfall nach den ersten paar Kilometern konnte ich auch ziemlich gut abfangen und das Tempo bei Zeiten um 3:52 im Griff behalten. Dieser Lauf war wie geschaffen für meine 5-Punkte-Liste, denn nach gut 4 km folgte auch eine kleine Steigung. Anders als am Samstag blieb es bei dem einen Anstieg, den ich diesmal bestens bewältigen konnte. Daraus resultierte zwar mit 4:18 min. der langsamste Kilometer, aber der Verlust hielt sich in Grenzen und vor allem fand ich nach dem Anstieg schnell wieder ins ursprüngliche Renntempo zurück. Auch die Konzentration war während des gesamten Rennverlaufs kein Problem und am Ende darf ich zufrieden feststellen, dass ich meine Kräfte diesmal sehr gute eingeteilt habe. Auf den letzten 200 m reichte es sogar für einen Endspurt mit einer Zielzeit von 40.08,7 über 10.3 km. Das ergibt eine 10-km-Zeit von umgerechnet 38.58, also nochmals besser als am Samstag. Dem ist allerdings entgegenzuhalten, dass die Streckenführung in Niederbipp zumindest für mich wesentlich schneller und angenehmer war. Mit nur einer moderaten Steigung, einigen leichten Bergabpassagen und einem Grossteil an flachen und teilweise sogar asphaltierten Abschnitten kam mir die Strecke sehr entgegen. Überhaupt kann ich den Pfingstlauf in Niederbipp nur loben. Da stimmt von der Organisation über die Logistik bis zur Streckenführung und dem Startgeld (Fr. 23.‑) alles!

Zum Schluss dieses Pfingstwochenendes mit zwei gelungenen Läufen darf ich also doch noch feststellen: An Pfingsten geht es eben doch am ringsten :-)