foto1
Running text caption 1
foto1
Running text caption 2
foto1
Running text caption 3
foto1
Running text caption 4
foto1
Running text caption 5
Running free since 2010

30.10.16  Die Revanche für Köln ist geglückt!

Am zweiten Tag im Oktober 2016 verfehlte ich die Zielzeit von 3:05, die ich mir für den Köln Marathon vorgenommen hatte, um ganze 4 Minuten. An sich nicht weiter schlimm und sicher kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Trotzdem wollte ich am zweitletzten Tag im Oktober 2016 eine Reaktion zeigen. Und die kam prompt, und sie kam schnell.

Nachdem man sich in der Marathonvorbereitung durch intensives Training in eine möglichst gute Form bringt, stehen nach dem grossen Saisonhighlight die Chancen gut, noch ein paar Wochen von dieser Form zu profitieren und kurz darauf einen weiteren Lauf anzuhängen. Dieses Jahr hat sich dazu der 10. Swiss City Halbmarathon in Luzern angeboten. Der offiziell unter dem Titel „Swiss City Marathon“ geführte Lauf zeigt ein ähnliches Bild wie die meisten Marathonveranstaltungen: Der überwiegende Teil der Teilnehmenden entscheidet sich für den Halben, während die Marathonzahlen allgemein stagnieren. Die ganzen 42.195 km in Luzern laufen, wollte ich nie und in dieser Ansicht fühle ich mich nach dem heutigen Tag auch bestärkt. Aber dazu später.

Ja, warum hat er sich denn angeboten, der Halbmarathon in Luzern? Schliesslich gibt es als Fan des FC Aarau weiss Gott bessere Möglichkeiten, den Sonntag zu verbringen, als durch die für die Läufer abgesperrte Swisspor-Arena des FC Luzern zu laufen …. In den letzten Jahren habe ich aber von so vielen Läuferinnen und Läufern gehört, der Swiss City Marathon sei etwas vom Tollsten, das die Schweizer Laufszene zu bieten habe, dass ich dem einfach Glauben schenken musste und mich selber davon überzeugen wollte.

Und sie sollten Recht behalten – dieser Lauf ist wirklich von A bis Z ein gelungenes, fröhliches und hervorragend organisiertes Lauffest! Das begann heute Morgen schon um kurz nach 7 Uhr bei der Ankunft in Luzern. Pausenlos waren mehrere Schiffe auf dem Vierwaldstättersee unterwegs, um Teilnehmende und Begleitpersonen auf dem kürzesten und vergnüglichsten Weg über den See zum Startgelände beim Verkehrshaus zu bringen. Das Startgelände selber sowie die Wege zu den Garderoben waren bestens ausgeschildert und wenn man doch noch unsicher war, fand man schnell hilfsbereite Helfer/innen, die Rat wussten.

Auch die Laufstrecke selber darf sich sehen lassen. Sehr abwechslungsreich, an vielen Orten durch begeisterte Zuschauermassen gesäumt und vom Verlauf her nicht ganz ohne. Vor allem die paar Steigungen auf der ersten Streckenhälfte trieben mir den Puls in ungeahnte Höhen. Dennoch lief ich von Beginn an schnell und konnte die Kilometerzeiten konstant unter 4 Minuten behalten. Nach Rennhälfte wurde es aber zäher, in den Oberschenkeln spürte ich vermehrt ein leichtes Ziehen, dass ich zwischendurch einhändig etwas wegmassieren konnte. Dann kam der besagte Abstecher durch die Chatzestrecker-Arena des FCL und als Belohnung folgten anschliessend einige Kilometer, die leicht bergab führten. Da war auch die Gelegenheit gekommen, das Tempo wieder zu stabilisieren und die Zeiten eher wieder in Richtung 4:05 zu drücken, statt gegen 4:30 abzudriften. Auf dem Rückweg führte der Weg nicht am Kultur- und Kongresszentrum (KKL) vorbei, sondern mittendurch. Drinnen war es zwar stickig und heiss, aber die Leute am Streckenrand schienen die Mini-Disco im KKL zu geniessen. Wieder draussen folgten die letzten vier Kilometer.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass eine neue PB in Reichweite lag und ich das Ding nur noch halbwegs konstant über die Runden bringen musste. Zuerst hinkte ich aber mit 4:18 nochmals etwas hinten drin. Danach folgten zwei Kilometer mit 4:09 und der letzte sogar wieder in 4:05. Schon lag es vor mir, das Marathontor zum Verkehrshaus, wo im Innenhof der lang ersehnte Zielbogen wartete. Und genau da wusste ich, dass ich in Luzern nie und nimmer den ganzen Marathon laufen werde. Nach dieser Plackerei statt geradeaus dem Ziel zuzustreben, um den Wendepunkt drehen und das Ganze nochmals von vorne anpacken? Nee.

So aber war alles in Ordnung – und wie! Im Ziel stand die Uhr bei für mich sehr erfreulichen 1:25.37,9 still. Das sind doch rund zweieinhalb Minuten, um die ich meine Halbmarathonzeit verbessern konnte. Zur Freude des Tages liess ich mir die Zeit als Erinnerung auf die Medaille gravieren. Und weil sie dort die Zehntelsekunden kurzerhand gestrichen haben, steht nun 1:25.37 drauf. Wenn kümmert schon der eine Zehntel, der mich von den 1:25.38 trennt :-)

Bestätigt hat sich übrigens auch die Tatsache, dass die Marathonis auf der zweiten Runde viel weniger angefeuert werden als auf der ersten. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof waren wir nur noch wenige, die sich die Mühe machten und die vorbeilaufenden Marathon-Läufer/innen lautstark ermunterten, auf den letzten beiden Kilometern noch durchzubeissen. Beschämend war vor allem, dass die meisten der Fussgänger selber Läufer auf dem Rückweg zum Bahnhof waren. Da zählte offenbar nur der eigene Lauf. Was die anderen machen, ist dann egal. Schade. Denn gerade auf den letzten Kilometern eines Marathons bin zumindest ich über jedes aufmunternde Wort vom Streckenrand froh. Wenn dann jemand „Hopp Lukas“ ruft, kann das durchaus nochmals für einen entscheidenden Energieschub reichen.

Fazit: All die Laufkolleginnen und –kollegen hatten völlig Recht – der Swiss City Marathon ist eine Teilnahme wert!