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25.06.17  Zwischen Genuss, Erschöpfung und etwas schlechtem Gewissen – unterwegs auf den „10 Meilen Laufen“ 2017

Vielleicht ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit in diesem Blog und auf meiner Facebook-Seite weniger über die „10 Meilen Laufen“ berichte als in früheren Jahren. Es ist aber nicht so, dass ich mein Heimrennen auf einmal nicht mehr mag – ganz im Gegenteil: Seit drei Jahren darf ich sogar aktiv bei der Organisation des Anlasses mithelfen und dieses Jahr sogar zum ersten Mal als OK-Präsident. Das bedeutet, dass ich viel Zeit damit verbringe, auf der 10-Meilen-Facebook-Seite, auf der Webseite, im Newsletter und in Presseberichten für den Lauf zu werben. Kurz: Das Ganze hat sich einfach ein bisschen von meinen privaten Aktivitäten hin zum öffentlichen Bereich verlagert.

Als man mich damals angefragt hatte, ob ich Lust hätte, im OK mitzuwirken, sagte ich sofort und mit grosser Freude zu – allerdings unter einer Bedingung: Es muss mir weiterhin möglich sein, selber am Lauf teilzunehmen. Dies wurde akzeptiert und seither habe ich das grosse Vergnügen, beide Seiten des Laufes erleben zu dürfen, was äusserst spannend ist.

Gestern war es wieder soweit und der wohl längste, aber auch einer der schönsten Tage im Jahr war endlich da. Dank eines hervorragend eingespielten Teams und rund 100 engagierten Helferinnen und Helfern funktionierte alles bestens, es kam keine Hektik auf und es passierten auch keine gravierenden Fehler.

Nachdem ich seit knapp zwölf Stunden unentwegt für den Anlass unterwegs war und mich die letzten fünf Stunden zu keinem Zeitpunkt kurz hinsetzen konnte, legte ich um 18:30 Uhr meinen OK-Badge ab und schlüpfte in die Laufkleidung. Normalerweise nutze ich die rund 20 Minuten Warm-up vor einem Lauf, um mich zu konzentrieren und auf den Start vorzubereiten. Doch beim Heimrennen ist die Trennung zwischen organisatorischer Verantwortung und eigener Teilnahme nicht ganz einfach. So wurde auch mein Warm-up mehr zur fröhlichen Begrüssungs- und Small-Talk-Runde. Zum einen traf ich beim Einlaufen auf gute Vereinskollegen, mit denen ich mich kurz austauschen wollte. Zum anderen konnte ich dabei auch den einen oder anderen Top-Läufer noch schnell persönlich begrüssen und mich bei ihm dafür bedanken, dass er bei uns an den Start geht.

Knappe vier Minuten vor dem Start begab ich mich als einer der Letzten hinter die Linie, nachdem ich wenige Augenblicke zuvor noch den Startrevolver an den Vertreter des Hauptsponsors übergeben hatte, der die Teilnehmenden mit seinem Schuss auf die Strecke schickte. Ausgerechnet ich, der normalerweise mindestens eine Viertelstunde vor dem Start als einer der Ersten im Block steht und nervös von einem Fuss auf den anderen trippelt, bis es endlich losgeht.

Zehn Sekunden vor dem Start verspürte ich auch nicht die übliche Nervosität, dass ich jetzt dann gleich lospreschen muss und dies eigentlich viel zu schnell, nur um einen guten Start ins Rennen zu erwischen und es nicht zu langsam angehen zu lassen. Dieses Mal war es mehr ein innerlicher Jauchzer, dass ich nach all den Monaten des Organisierens endlich mitten im Läuferfeld selber auf die Strecke raus durfte. So muss sich in etwa ein Hund kurz vor dem Gassigehen fühlen …

Wenige hundert Meter nach dem Start merkte ich, dass mein Laufgefühl ziemlich gut war, wenn auch etwas zu langsam. Das würde heute nichts werden mit einer neuen Bestzeit. Aber die hatte ich auch gar nie im Visier. Und da meldete sich bereits ein erstes Mal das schlechte Gewissen. Am Saisonhighlight ohne PB-Ambitionen starten? Geht’s noch? Die Erklärung dafür war so einfach wie bequem. Wie sollte ich auch nach fünf Stunden ohne Rast in einem Tempo loslegen, das ich normalerweise gut ausgeruht und auch dann nur unter grosser Anstrengung erst hinkriege?

Doch genau die Anstrengung war der Knackpunkt. Irgendwie war es ein Genuss, das Tempo angenehm zu halten und nicht am Limit zu laufen. Nach all den hundert Gedanken, die mir noch vor wenigen Minuten durch den Kopf schwirrten, war da auf einmal diese Leichtigkeit. Während den nächsten 16.1 km konnte im Stedtli passieren, was wollte – ich war weder erreichbar noch vor Ort verfügbar. Der Lauf konnte mir aus organisatorischer Sicht für kurze Zeit schlicht und einfach egal sein.

Dass er das aber nicht war, versteht sich von selbst. Und so kam auch unterwegs immer mal wieder der Präsi in mir zum Vorschein. Ich nutzte die Gelegenheit, mich beim Vorbeilaufen bei den vielen Streckenposten, Fotografen und Begleit-Bikern zu bedanken, die es durch ihren freiwilligen und unentgeltlichen Einsatz überhaupt erst möglich machten, dass ich zusammen mit ein paar hundert anderen Läuferinnen und Läufern unbeschwert und sicher auf den schönsten 10 Meilen weit und breit unterwegs sein und den Lauf anschliessend auch in Bildern revue passieren lassen konnte.

Bis ungefähr KM 6 lagen auch die Zwischenzeiten im grünen Bereich und eine Zielzeit unter 1h10 schien möglich zu sein. Doch dann folgte der lange Aufstieg von Brislach hinauf auf die Brislachallmet. Obwohl die Bedingungen etwas weniger heiss waren als auch schon und definitiv angenehmer als in den vergangenen Tagen, kam ich kaum vom Fleck. Meine Beine fühlten sich schwer an und ich hatte grösste Lust, einfach gemütlich dort hinaufzugehen und mir das Ganze vom Streckenrand aus anzuschauen.

Später bergab im Wald versuchte ich, das Tempo wieder etwas zu verschärfen. Bald schon musste ich aber gegen die Erschöpfung ankämpfen und aufpassen, dass ich nicht komplett einbrechen würde. Beim Plaudern während des Warm-ups machten mein Vereinskollege und ich noch Spässe, wonach der GP Bern vielleicht die schönsten 10 Meilen für sich beanspruchen könne, wir in Laufen aber definitiv die längsten 10 Meilen hätten. Dies sollte sich nun bewahrheiten.

Auf den letzten drei Kilometern musste ich mich dann mehrfach überholen lassen. Verblüffend und etwas ärgerlich zugleich war die Tatsache, dass mir das gar nichts ausmachte. Ich freute mich schon auf den Zieleinlauf, ein kühles Getränk und den leckeren Müesliriegel, der mich dort erwartete. Noch einmal kam kurz dieses schlechte Gewissen auf, von wegen du musst doch etwas mehr Einsatz zeigen, schliesslich trägst du eine Startnummer und bist nicht im Training. Doch diese Gedanken verzogen sich schon bald wieder und ich konnte bewusst die letzten Minuten „aktiver Ruhe“ geniessen, bevor in wenigen Augenblicken die Laufkleidung abgestreift, der OK-Badge umgehängt und die Rangverkündigung in Angriff genommen wurde.

Fazit: Mit 1:11.17,3 schaffte ich immerhin das Kunststück, meine Startnummer 111 auch auf die Zeit zu übertragen. Mit dem 8. Rang in meiner Altersklasse erreichte ich wenigstens das Grundziel einer Top-10-Platzierung. Rückblickend hätte ich mich vielleicht etwas mehr anstrengen können – viel mehr hätte dabei aber kaum rausgeschaut. Auf die ganze erste Saisonhälfte bezogen, bildeten diese abschliessenden 16.1 Kilometer auf heimischem Terrain einen genussvollen Abschluss einer fantastischen Frühjahrssaison mit neuen persönlichen Bestzeiten im Marathon, Halbmarathon und über 10 km. Nun folgt traditionsgemäss eine Sommerpause von gut einem Monat. Und dann warten in der Herbstsaison ein paar weitere läuferische Leckerbissen auf mich. Ich freue mich schon darauf!